Beitrag zur Wochenpost-Kolumne

Allgemein

Die Wochenpost erscheint einmal wöchentlich in Aalen und Umgebung.
Frederick Brütting hatte die Möglichkeit für die Ausgabe vom 10. März 2010 einen eigenen Beitrag zu schreiben.

Den Blick nach vorn!

Nach dem Abschluss des Studiums im Januar 2009 stand ich vor der Wahl des Wohnortes und eines neuen Lebensmittelpunktes. Ich habe mich - ganz bewusst – wieder für Aalen entschieden.

In den letzten Wochen und Monaten wurde viel über den Ansehensverlust von Aalen und die Stellung in der Region geschrieben. Habe ich diese Wahl also bereut? Keinesfalls. Aalen, auch die Innenstadt ist ein guter Ort zum Leben.
Man sollte aufpassen, dass es nicht zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird, wenn man sich ständig über den Ansehensverlust der Stadt beklagt. Nicht nur Wirtschaftspolitik ist zu 50 % Psychologie, auch das Image eines Standortes hängt von Stimmungen und veröffentlichten Meinungen ab. Zugegeben, so manche Steilvorlage für Kritik hätte sich die Verwaltungsspitze auch sparen können.

Als jüngstes Mitglied des Gemeinderates kann ich manche Dinge aber auch entspannter sehen und muss sagen: Aalen hat aus kommunalpolitischer Sicht aktuell viel Spannendes und noch einiges an Potential zu bieten. Wechselnde Mehrheiten, neue Mitglieder und knappe Abstimmungen haben die Arbeit des Gemeinderates offener gemacht. Ein gutes Argument hat heute mehr Gewicht als zu Zeiten, in denen alte Platzhirsche die Entscheidungen unter sich ausgemacht haben. Wenn aus dieser, noch wenig koordinierten Bewegung eine echte Dynamik entsteht, dann kann die Stadt davon nur profitieren. Dafür bedarf es jedoch mehr als nur einer Moderation.

Aber: in praeteritum non vivitur! Der Blick ist nach vorne gerichtet.
Gerade junge Menschen sind mehr gefordert, in Aalen etwas zu bewegen und sich einzumischen. So wird zum Beispiel am 28. August das erste „Double A Festival“ stattfinden. Ein politisches Umsonst und Draußen Festival mitten in der Stadt, das von jungen Menschen für junge Menschen auf die Beine gestellt wird. Hier zeigt sich: Aalen hat noch jede Menge Platz für frische und gute Ideen!

Diese sind auch nötig, denn die Herausforderungen, die auf die Stadt zukommen, sind riesig. Als ob die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929 und die damit verbundenen Steuerausfälle für die Kommunen nicht ausgereicht hätten, beschließt die schwarz-gelbe Regierung in Berlin munter Steuergeschenke für Superreiche und Hoteliers und die Landesregierung weigert sich Steuerflüchtige zur Kasse zu bitten. All dies geht zu Lasten der kommunalen Haushalte. Still wird es bei CDU und FDP, wenn man diese Dinge im Gemeinderat anspricht. Denn: Steuererhöhungen durch die Stadt sind damit vorprogrammiert und werden sogar vom Regierungspräsidium eingefordert. Nur: der Mut, diese bittere Wahrheit auszusprechen, fehlt bisher. Man darf gespannt sein, wie sich die Fraktionen bei einem Nachtragshaushalt positionieren.

 
 

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